Tapferkeit 2.0
Bitte recht mutig!
Jeder Mensch hat seine 15 Minuten Ruhm, hat Andy Warhol einmal gesagt. Im Fall von Dustin Hoffmann aus Elmwood Park im US-Bundesstaat New Jersey sind es genau 5,8 Sekunden. So lange brauchte der Angestellte der örtlichen Filiale einer Krapfenkette, um einen Räuber in die Flucht zu schlagen. Dazu benötigte er lediglich seine Hände und eine mäßig gefüllte Tasse mit Trinkgeld, mit der er auf den Dieb einschlug.
[Bildunterschrift: Unentschlossen, feige oder einfach peinlich? Vorsicht: Das Internet könnte zuschauen! (Montage: tagesschau.de) ]
Was bewog den Angestellten nun, sein Leben für die Tageseinnahmen zu riskieren? Die Antwort gab Hoffmann der Zeitung „The Record“: „Ich wollte gut aussehen, falls das Überwachungsvideo auf YouTube auftauchen sollte.“ Die Furcht, auf der beliebten Heimvideo-Internetseite als Feigling zu erscheinen, war größer als die Angst vor dem Verbrecher. Zum Glück überlebten der Held und seine treue Tasse den Vorfall ohne größere Blessuren Zwar konnte der Räuber mit 290 Dollar (ca. 200 Euro) fliehen, Hoffman gelang es aber immerhin, ihm vorher noch seine Baseballmütze zu entreißen und ein paar blaue Flecken zu verpassen.
Nun will der Held des Niedriglohnsektors die Aufzeichnung seiner Tat selbst ins Internet stellen – um dem Räuber eine Lektion zu erteilen, aber auch um sein Verhalten publik zu machen und den verdienten Ruhm zu ernten. Ob Hoffmanns Vorgehen nun wirklich so nachahmenswert ist, kann man zumindest diskutieren. Wenn es trotzdem Schule macht, sollten Geschäftsinhaber vielleicht immer dafür sorgen, dass ihre Angestellten in Überwachungsvideos gut zu sehen sind – und vielleicht auch dafür, dass die Trinkgeldkasse prall gefüllt bleibt. Möglichst mit schwerem Kleingeld.